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01. Juni 2019

Der fliegende Holländer

der_fliegende_hollaender

»Vor ihm sind tausend Jahre wie ein Tag,«
Spricht der Psalmist. Des Meeres Wellenschlag,
Die Athemzüge seines Rauschens sind,
Ob sie nun schleppend gehen, ob geschwind,
Ein Puls der langen, langen Erdenzeit,
Und sie ist nur ein Hauch der Ewigkeit,
Wo Sonnen glühen und zu Eis erkalten,
Die jüngsten Sterne winterwüst veralten.

] Der fliegende Holländer… [

Was Menschen raschen Wortes »ewig« nennen,
Wenn sie sich lieben, und wenn sie sich trennen,
Wieviel ist’s länger, als die Blume blüht,
Die eines Sommermorgens Thau besprüht?

] Ein Seemannssage von Julius Wolff… [

Landflüchtig ist der Mensch in der Natur,
Sein Leben währt, wenn’s hoch kommt, siebzig Jahr,
Und wenn es herrlich, wenn es köstlich war,
So war es nichts, als Müh und Arbeit nur.
Ihn aber dünkt der alten Erde Rund,
Das seine Hütte trägt als sichrer Grund,
Der Boden, drauf er mit den Füßen steht,
Durch Noth und Tod mit seiner Liebe geht,
Die Scholle, die er pflügt mit seiner Schar,
Fest, unerschütterlich, unwandelbar.

] Mord… Liebe… Leid… Sehnsucht… Meer… [

Und ist es auch, so lange Menschen denken,
Erinnernd ins Vergangne sich versenken
Und sehnend, hoffend in die Zukunft schauen,
Der ihres Herzens Wünsche sie vertrauen.
So rauschte schon das Meer, wie’s heute rauscht,
Bevor es noch ein Menschenohr belauscht;
So sah es der, der mit dem Steinbeil schlug,
Des Höhlenbären Haut als Mantel trug,
So sahn es die phönizischen Triremen,
Die Griechenflotten und beim Beutenehmen
Wikinger Drachen, so der Hansa Ehren
Und so Venedigs kreuzende Galeeren,
So wird es sehn der Letzte, der’s befährt,
Der letzte Fischer, der von ihm sich nährt.
Wenn es sich leise schwingend senkt und hebt,
Sein schimmernd Blau von keinem Sturm durchbebt,
Am Tage sonnig glänzt und lockt und lächelt,
Mit sachtem Wogengange Kühlung fächelt,
Und sich bei Nacht aus ihrer Weltenferne
In seinem Spiegel schau’n die goldnen Sterne,
Verräth es nicht, was unter seiner Fluth,
Von Finsterniß umhüllt, im Tiefen ruht.
Da liegt manch Anker, dessen Kette riß,
Manch eine Kugel, die durch Segel biß,
Und weit davon vielleicht dasselbe Rohr,
Aus dem sie in der Seeschlacht schoß hervor.

] vorgelesen an zwei Abenden… [

Da schlummern einsam menschliche Gebeine,
Nicht zugedeckt mit einem Marmorsteine,
Gebeine derer, die im Schreckensdrang
Des Schiffbruchs fanden ihren Untergang.
Nicht Alle doch, die hilflos von den Planken
Herabgespült, versanken und ertranken,
Ruhn unbestattet in der Tiefe Schoß
Versandend aus vom harten Seemannsloos.

Manch Einen trägt die Welle wohl zu Land
Und bettet sanft ihn auf bewohnten Strand,
Da findet er mit Kreuz und Nummerstab
In Frieden dann ein namenloses Grab. *

] ab Freitag, 28. Juni 2019, 20 Uhr. [

* Aus „Der fliegende Holländer“ von Julius Wolff.

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01. Juni 2019
Geschrieben von: ;
Kategorie: Kulturdornse, Schauspiel, Veranstaltungen

Proserpina

Carla Gesikiewicz als „Proserpina“

Endlich geht es weiter mit dem Programm der Kulturdornse.
Nach einer Auszeit, in der wir den Wegfall unserer geplanten (und auch teilweise angekündigten) Produktion „Macbeth“ verarbeitet und Pläne für die nächsten Sommermonate geschmiedet haben, kehren wir nun zurück mit der Neuproduktion „Proserpina„, einem Monodrama von Johann Wolfgang v. Goethe.

Mit diesem Werk können wir unserer Linie, klassische Literatur zur Grundlage unserer Arbeit zu machen, treu bleiben. Ebenfalls aber auch dem Weiterentwickeln unserer Stilistik, Erotik oder Frivolität in die Umsetzung einfließen zu lassen; denn auch dieser griechische Mythos birgt wieder erotische Spannung in sich: Pluto raubt Proserpina, die schöne Kore, und verschleppt sie in die Unterwelt. Was sich erst als Unglück zu erweisen scheint, wird am Ende doch… die großen Liebe?

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28. Mai 2019

Text ist Musik ist… Klavier

Das Experiment ist geglückt!

Mit „Text ist Musik ist… Klavier“ haben wir eine Reihe gestartet, die unseren Leitgedanken für das Theater aufgreift: Wie schaffen wir es die Sparten wieder zu einer Einheit zu verschmelzen und Aufführungen zu gestalten, bei denen Tanz, Sprache und Musik so ineinandergreifen, dass die einzelnen Darstellungsformen nicht mehr isoliert erkennbar sind.
Ein wahrscheinlich immer noch unmögliches Unterfangen… Aber das Streben danach ist unser Weg.

Peter Ortmann

Peter Ortmann, der in Lübeck unter anderem für die von ihm in der Petrikirche initiierte Konzertreihe „Europas Jazz Legenden“ bekannt ist, improvisiert auf unserem Flügel: Jazz; Stephan Joachim liest: Texte deutscher Expressionisten. Klabund, Heym, Trakl. Und zu guter Letzt: Schiller!

Die Texte sollen sein wie Noten, die Lesart wie Denken beim Musizieren. Dass Stephan Joachim das als Musiker inspirierend vermittelt, der Meinung war das Publikum bei den letzten Terminen.

Ein Jazzkonzert mit zwei Instrumenten: Stimme und Klavier, Text und Noten…

Wir bringen diesen Abend nun am kommenden Wochenende, am Samstag, 14. September, um 20 Uhr, nochmal und hoffen auf zahlreiche Interessierte…

Reservieren Sie Ihre Plätze gerne hier im Vorfeld.

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17. Mai 2019
Geschrieben von: ;
Kategorie: Empfehlungen, jo.art, Kulturdornse

Mit Glänzenden Grüßen

Die Kunst bleibt frei!

Seit im vergangenen Jahr Versuche stattfanden, auf die Arbeit von Kulturschaffenden politisch Einfluss zu nehmen, hat sich, von Berlin ausgehend, die Aktion „Die Vielen“ formiert, die eine unbedingte Solidarität unter allen kulturell Arbeitenden ausruft und sich selbst auferlegt. Nach außen bringt die Aktion mit einer Erklärung und einer Unterschriftensammlung dieses Begehren an die Öffentlichkeit.

V. l. n. r.: Annette Gleixner, Carla Gesikiewicz, Stephan Joachim

In Lübeck war die Kulturdornse an der Untertrave die erste Kulturinstitution, die sich dieser Bewegung anschloss und versuchte, darauf aufmerksam zu machen; wenngleich kleine Bühnen wie diese schnell untergehen, sobald eminentere das Ruder übernehmen. Dennoch ist sowohl das Musiktheaterensemble jo.art, als auch das kleine Lübecker Theater „Die Kulturdornse“ auf der Liste der Unterzeichner und engagiert sich unter dem Motto „Wir sind viele – jede*r einzelne*r von uns!“.
Am kommenden Wochenende werden deutschlandweit, aber koordiniert von Berlin, alle Aktiven eine glänzende Demonstration – Unite&Shine – durchführen.

Das Ensemble jo.art wird in der Kulturdornse einen Aktionstag gestalten und alle wissenswerten Informationen zu den Sachverhalten den Lübeckern in Form eines Tages der offenen Tür nahe bringen.
Um zu verdeutlichen, wie wichtig Kunst für die kulturelle Entwicklung und den Freigeist einer Nation ist, wird den ganzen Nachmittag über, von 14 bis 20 Uhr eine öffentliche Probe der Neuproduktion „Proserpina“ statt finden. Dabei bleiben alle Mitwirkenden jederzeit offen für eine interessante Diskussion über den Sinn und die Notwendigkeit von Theater.

Umfangreichere Informationen zur Veranstaltung auch telefonisch unter der Telefonnummer (0451) 5 99 88 60 5.

„Glänzendes Grüßen im Sinne der Hanse“
Sonntag, 19. Mai // 14 Uhr bis Open End.

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22. April 2019

Habe nun, ach…

…weder Skrupel noch Zweifel.

Ein Diskurs über Gott und die Welt.

Inspiriert von der Reihe „Bibel und Literatur“ von Gottfried Schmidt, der diese Reihe als Pfarrer der Hessisch-Nassauischen Landeskirche in Wiesbaden in Zusammenarbeit mit der Dramaturgie des Hessischen Staatstheaters über viele Jahre anbot, treten wir in seine Fußstapfen und bieten eine Reihe für unsere Kulturdornse an, die sich mit einem Angebot gehobener Literatur an unsere Gäste wendet und zur jeweiligen Diskussion bzw. Zusammen- und Auseinandersetzung über kulturrelevanten Themen einlädt.

Es geht um Werteerhalt und Werteverfall der Gesellschaft im 21. Jahrhundert.

 

Wir freuen uns auf Sie am Sonntag, 19. Mai 2019.

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01. Februar 2019
Geschrieben von: ;
Kategorie: Kulturdornse, Schauspiel, Veranstaltungen

Macbeth

Dieses Jahr beginnt zwar mit nur wenigen Veranstaltungsterminen. Das liegt aber daran, dass wir mit Macht ab sofort beginnen unsere inszenierte Fassung von Macbeth zu proben, William Shakespeares Tragödie in einer kongenialen Neuübersetzung von Margrit Carls, die wir in eine Performance voller Kraft, Erotik und Dramatik bringen.

An- und eingepasst in unseren Raum und im Sinne der Erstinszenierung als eine die Zuschauer anteil nehmen lassende, wird diese Inszenierung ein „Hexenritt“ durch die schottische Geschichte um Mord, Gier und Rache.

Anne Patzer als Lady Macbeth verführt Stephan Joachim als Macbeth zu Intrige und Krone.

Seien Sie dabei.